Autowäsche oder Seelenpflege

Geben Sie in der Waschstraße auch Trinkgeld?

Geben Sie in der Waschstraße auch Trinkgeld oder Beobachtungen an einem gewöhlichen Ort mit den unterschiedlichsten Menschen.

 

Heute Mittag habe ich mich wie viele andere auf den Weg in die Waschanlage gemacht. Das Auto ist schmutzig, der Dreck und das Salz der winterlichen Fahrbedinungen müssen runter, sonst leidet der Lack. Die Schlange ist lang und so habe ich Zeit mir Gedanken über das Treiben zu machen. Es sind, laut Auto 2 Grad Außentemperatur, ein Sonne-Wolken Mix, aber kein Regen, wie so oft in den letzten Wochen.

Das Ritual der Autowäsche

Der Platz ist voll, überwiegend Männer kümmern sich mit Hingabe um ihre Autos. Ich lasse meinen Blick über die Karossen und die putzenden Männer schweifen. Sie saugen, schrubben, polieren, nehmen ihr Putzergebnis in Augenschein und wischen nochmals nach. Es sind nur vereinzelt Frauen bei diesem Treiben zusichten. Jeder ist mit seinem "Schatz" vorgefahren und widmet sich diesem mit einer Hingabe die ich bemerkenswert finde (Es sind nur 2 Grad). Aber ich muss mir an die eigene Nase fassen, noch sitze ich in meinem warmen Auto und warte darauf, dass ich an die Reihe komme, um nach der Außenwäsche, eine penible Innenraumreinigung vorzunehmen.

Von Arbeitslos bis Führungskraft

Mir fallen die unterschiedlichen Automodelle auf. Hier der alte Fiesta, dort der Familienkombi und dann der Luxus SUV, dessen Hersteller sonst Autos mit Zahlenkombination wie 911 baut. Mir wird klar hier treffen sie sich; die unterschiedlichen Gesellschaftsschichten, ob Arbeitslos, Angestellter, Selbstständig oder Führungskraft. Ok, man kann das Waschprogramm wählen, von einfach bis Komfortwäsche, was das Portmonee halt hergibt. Aber am Ende stehen sie doch alle mit dem Staubsauger in der Hand und reinigen das eigene Auto. Hier verschwimmen die Unterschiede, hier werden wir zu Menschen mit dem selben Ziel. Der Anspruch mit dem man dies tut, mag unterschiedlich sein, doch das Ziel ist das selbe. Ein sauberes Auto. Was würde das für ein Unternehmen bedeuten. Das Ziel vereint die Menschen und jeder ist mit der notwendigen Hingabe dabei, ob altes oder neues Auto. Es ist die Begeisterung für das eigene Tun und der Lohn ist das Hochgefühl nach erledigter Arbeit und nicht das Geld auf dem Konto.

Und doch auch Seelenpflege

Doch was treibt die Menschen an, was treibt mich an. Ist es die Reinigung eines Alltagsgestandes oder ist es doch mehr? Was macht es mit mir, wenn ich mein Auto hingebungsvoll reinige, mit stolzem Blick mein Ergebnis betrachte und gleichzeitig sorgenvoll in den Himmel schaue. Es ist auch wie eine innere Reinigung, ich komme in einen Flow, ich mache etwas mit Begeisterung und Hingabe. Ich erlebe mich und die anderen abseits des gehetzten Treibens auf einer Insel der Betriebsamkeit, ohne Hektik und Druck, aber mit viel Genauigkeit und Sorgfalt. Es macht mich stolz, ich habe etwas zum Vorzeigen, der Glanz des Autos ist auch mein Glanz. Es ist wie eine Erweiterung des eigene Selbst. Das Leuchten, dass Gefühl etwas erledigt zu haben, etwas geschafft zu haben und mit Stolz vom Waschhof zu rollen. Es ist wie eine Aufwertung, von außen nach innen. Beobachten auch sie ihr Umfeld und ihr Gefühl beim nächsten Waschstraßenbesuch.


Was ist mit dem Trinkgeld?

Wie ich schon geschrieben habe, waren es heute 2 Grad. Stellen sie sich vor, sie stehen bei 2 Grad in einer nassen zugigen Halle, in der permanent dreckige Autos vorgefahren werden. Menschen, die diese Aufgabe erledigen haben etwas Trinkgeld verdient, schließlich tragen sie dazu bei das wir uns nach dem reinigen des Autos besser fühlen.

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Kommentare: 1
  • #1

    Winfried (Freitag, 29 Dezember 2017 01:40)

    Vielen Dank für diesen Artikel! Genau so ist das! Der Vergleich zum Berufsleben hinkt zwar etwas, ist aber völlig korrekt. Wenn alle Mitarbeiter sich so für die Firma einsetzen würden wie sie ihr Auto pflegen und hegen, was für ein Segen....