Eine gute Vorbereitung

Bildungssystem Ade

Wo soll ich anfangen? Ich bin entsetzt, damit fange ich an. Ich bin zugleich wütend, traurig, verunsichert und fassungslos. Was soll das? Aber der Reihe nach.

Ich habe in einer Kölner Wochenzeitung einen kurzen Artikel, zum Thema Abitur gelesen. Auf Seite 1. Es geht um die anstehenden Mathe Abiturprüfungen und ein Angebot an der Volkshochschule Köln zur Vorbereitung auf diese Prüfung. Schüler/innen können hier in kleinen Schritten die relevanten Themengebiete zur Analysis, Vektor- und Matrixrechnung wiederholen. An zwölf Abenden.

So was sollte doch in der Schule vermittelt werden, oder?


Es geht mir nicht darum die Volkhochschule, die einen Kurs zur Vorbereitung auf Abiturprüfungen anbietet in Misskredit zubringen oder das Bemühen Einzelner zu diskreditieren. Diese Institution und deren Dozenten verdienen höchsten Respekt.

 

Aber haben junge Menschen, die kurz vor den Abiturprüfung stehen, nicht eh schon genug Last und Leistungsdruck zu ertragen. Junge Menschen stehen vor ihrer ersten wirklich großen Prüfung und sollen am besten schon einen Plan für ihr weiteres Leben parat haben. Schule soll sie auf dieses Leben nach der Schule, auf Studium oder Ausbildung vorbereiten. Schule hat einen Bildungs- und Erziehungsauftrag. Der folgende Auszug aus dem Schulgesetz verdeutlich dies:

 

Schulgesetz für das Land NRW, § 2 Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule, Absatz 4

 

Die Schule vermittelt die zur Erfüllung ihres Bildungs- und Erziehungsauftrags erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Werthaltungen und berücksichtigt dabei die individuellen Voraussetzungen der Schülerinnen und Schüler. Sie fördert die Entfaltung der Person, die Selbstständigkeit ihrer Entscheidungen und Handlungen und das Verantwortungsbewusstsein für das Gemeinwohl, die Natur und die Umwelt. Schülerinnen und Schüler werden befähigt, verantwortlich am sozialen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, beruflichen, kulturellen und politischen Leben teilzunehmen und ihr eigenes Leben zu gestalten. Schülerinnen und Schüler werden in der Regel gemeinsam unterrichtet und erzogen (Koedukation).

 

Diese jungen Menschen stehen jetzt also vor den Abiturprüfungen und müssen sich darauf vorbereiten. Das Abitur wird als der heilige Gral verkauft, ohne das man im späteren Leben eh keine wirkliche Chance auf beruflichen Erfolg hat. Der Druck ist enorm, das Pensum haarsträubend und die Anforderungen immens. Als hätten 16 bis 18 Jährige neben der Schule nicht auch andere Interessen.

Was sagt es über unser Schulsystem aus, dass angehende Abiturienten/innen an einem Freitagabend die Möglichkeit haben, an einem Volkshochschulkurs ihr Abitur vorzubereiten. Sollte dies nicht am Vormittag in der Schule passieren? Sind sie nicht deswegen jeden Tag von Montag bis Freitag, vom Morgen bis zum Nachmittag an diesem Lernort. Dort sollte die Vorbereitung, die kleinschrittige Wiederholung, die Förderung nach individuellen Bedürfnissen stattfinden. Nicht am Abend an der VHS.

Es ist ein Armutszeugnis für unser Schulsystem, ein Skandal und eine Schweinerei. Wie wollen wir mit den Menschen, die unsere Zukunft repräsentieren umgehen? Was wollen wir ihnen bieten und wie wollen wir sie auf ihre Zukunft vorbereiten?

 

Hirnforscher, Bindungsforscher, Psychologen und Philosophen sind sich einig, dass es einer grundlegenden Reformation des Schulsystems bedarf. Warum wird nicht gehandelt? Stattgessen wird die Last einfach an die Schüler/innen weitergegeben und sie können sich außerhalb der eigentlichen Schulzeit auf ihr Abitur vorbereiten.

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